MULHOLLAND DRIVE im Februar 2022

Silencio. MULHOLLAND DRIVE im Cinema.

Es ist eine kleine Ewigkeit her, dass die Cinema-Leinwand mit einem David Lynch Film erstrahlen durfte. Gestern Abend war es dann soweit. Im Rahmen der „Best of Cinema“ Filmreihe wurde dort MULHOLLAND DRIVE (2001) aufgeführt.

Lynchs eigenwilliger, mystischer Tanztraum durch L.A. erzeugt sofort eine ganz andere Stimmung im Saal. Beinahe andächtig herrscht „Silencio“ im Cinema, als die weiße Limousine des nachts – begleitet von ominösen Synti-Score Klängen – das Straßenschild mit dem Filmtitel passiert, und schon ist man gefangen in den Großaufnahmen der makellosen Gesichter von Laura Harring und Naomi Watts. Es folgen zwei Stunden Mysterythriller in klassischer Lynchmanier. Mal schaurig, was da hinter Winkies Diner an der Mülltonne lauert, mal bizarr komisch, wenn ein Mafioso den gerade georderten Espresso in seine Serviette würgt, oder ein Killer gezwungen ist einen Zeugen nach dem anderen auszuknipsen, weil sein Auftragsmord so stümperhaft ausgeführt wurde. Und dann knistert es plötzlich, als sich Rita und Betty im Bett der Tante lieben und kurz darauf das Theater besuchen, in dem Rebekah del Rio ihr Klagelied „Llorando“ (Weinen) zum besten gibt – ein Highlight, bei dem im Cinema die Wände wackeln, denn im Kern ist MULHOLLAND DRIVE eine tragische Liebesgeschichte.

Es war großartig. Das findet zumindest dieser Autor und bedankt sich für einen wunderschönen Filmabend und einen (im Rahmen der aktuellen Maßnahmen möglichen) vollen Kinosaal. Schon kommenden Monat gibt es den nächsten fantastischen Filmklassiker im Cinema zu sehen. DER PATE und DER PATE II werden zum 50sten Jubiläum wiederaufgeführt. Da hat man doch was, worauf man sich freuen kann.

Autor des Textes: dre